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1. Teil 1876 - ca. 1923 Die neue Kirche 2.
Teil 1923 - 1960 Die Glocken
erzählen
3.Teil
1960 - 1996 Die
Pfarrer der kath. Pfarrei St. Dionysius seit 1344
zusammengestellt von BGR Paul Wutz und Dorothea
Deubzer
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Teil
I Am
2. März 1876 wurde H. H. Josef Dippel, Benefiziat in Grafenwöhr,
Pfarrer in Neunkirchen. Besonderer Dank gebührt ihm, da er anhand der Unterlagen
in der Pfarregistratur und des Briefverkehrs mit dem Ordinariat in Regensburg
eine Chronik über die alte Pfarrei Neunkirchen erstellte , vor allem eine lückenlose
Nennung der seit dem Jahre 1344 in Neunkirchen wirkenden Seelsorger. Am 4. Februar
1888 übernahm Pfr. Dippel die Pfarrei Steinach bei Straubing. Sein Nachfolger
wurde am 11. Mai 1889 Pfr. Georg Diermeier, der bereits von 1878-1881
Kooperator in Neunkirchen war, ein großer Jagdliebhaber und guter Schütze. Er
erbaute den Pfarrstadel, den Schweinestall und verlegte die Dungstelle auf eigene
Kosten. Verärgert, vor allem über die Katholiken von Mantel, die seit 1663 von
Neunkirchen aus seelsorgerlich betreut wurden und stets einen eigenen Pfarrer
und eine neue Kirche forderten, verließ er 1893 Neunkirchen. Nach ihm
kam Pfarrer Johann Bapt. Posset von der Pfarrkuratie Premenreuth.
Von ihm schrieb sein Nachfolger Pfr. Josef Mark: "Sein Hauptwerk, das ihm
in der Geschichte der Pfarrei Neunkirchen ein dauerhaftes, dankbares Andenken
sichert, ist die Lösung des Simultaneums und der Bau der neuen, schönen kath.
Kirche 1910/1911 sowie die Anlage des neuen kath. Friedhofs." Unter Pfr.
Posset wurde 1898 die Expositur Mantel errichtet und die Marktkirche
St. Peter und Paul erbaut. Nachdem nun Mantel 'versorgt' war, ging er
in Neunkirchen ans Werk. Am 1. Oktober 1899 wurde ein Kirchenbauverein
mit 37 Mitgliedern gegründet. 1. Vorsitzender wurde Pfr. Posset, Schriftführer
Lehrer Johann Glaser und Kassier Josef Kummert. Der Kassenstand betrug am 1. Mai
630 Mark. Durch Spenden des Ludwig-Missions-Vereins mit 3300 Mark zeigte der Kontostand
am 15. Februar 1904 bereits 4583 Mark. Um das Geld gewinnbringend anzulegen, wurde
Geld zu 4% Zinsen ausgeliehen. Nicht nur Bürger aus Neunkirchen, sondern vor allem
aus Hütten nahmen das Angebot dankbar an. Am 11. Juli 1903 bietet sich Architekt
Schott, München, an, eine Skizze für die neue Kirche anzufertigen. Da die Erweiterung
der alten Kirche abgelehnt wurde, gab das Ordinariat mit Schreiben vom 6. 12.
1904 die Zustimmung für den Neubau der Kirche und damit verbunden die Auflösung
des Simultaneums. Nach Schätzung des Baugeschäftes Kubizek, Weiden, am 18. 4.
1905 dürften sich die Maurerarbeiten auf 35.000 Mark belaufen. Am 29. 12.
1908 wurden 10 Mitglieder der kath. Kirchengemeinderepräsentation gewählt. Dieses
Gremium bekam die Zustimmung des Bezirksamtes Neustadt/ WN, der Regierung zu Regensburg,
seiner königlichen Hoheit Luitpold, des Königreiches Bayern Verweser und des Bischöflichen
Ordinariats bzw. des Bischofs persönlich. Bei der Versammlung des Kirchenbauvereins
am 30. Juni 1906 wurde die Frage nach einem geeigneten Platz
diskutiert. Der vorgesehene Platz hinter dem evang. Pfarrgarten wird aufgegeben,
da er sehr feucht und außerhalb des Dorfes liegt. Außerdem müßten das Hirthaus
und der Backofen abgelöst werden. Der evang. Pfarrer Scherzer hatte diesen Platz,
den er von Martin Pröls, Hr. Nr. 27, zum Teil gekauft hatte, für 7000 Mark der
kath. Kirchenstiftung angeboten. Herr Jakob Bäumler, Hs. Nr. 20, bot seinen Platz
hinter dem Kriegerdenkmal mit ca. 9,54 Tgw. für 1300 Mark an. Die Frauenrichter,
damals noch bis zur Straße am Alten Dorf und Wallensteinstraße zur Pfarrei gehörig,
plädierten für den Platz hinter den Anwesen Bäumler und Lutter, also Richtung
Weiden. Um die Platzfrage zu regeln, sollte eine Kirchengemeindeversammlung einberufen
werden. Der Schriftführer des "Kirchenbauvereins" sah darin eine Verdrängung
der Selbständigkeit des Vereins, mußte aber seine Auffassung korrigieren, da der
Verein ohne Mithilfe anderer Faktoren (Staatszuschüsse, Landeskollekte, Umlagen
u.a.) in absehbarer Zeit sein Ziel nicht verwirklichen kann. Der Kirchenbauverein
hatte bei 1400 Seelen fast 300 Mitglieder. Durch Austritte, vor allem der Mitglieder
aus Etzenricht und Wiesendorf, ging die Zahl 1908 auf 150 zurück. Pfr. Posset
bemühte sich auf allerlei Weise an Geld zu kommen. Ein Schreiben an die Feldzeugmeisterei
München mit der Bitte um Überlassung von Kanonenmaterial (wahrscheinlich für Glocken)
wurde abschlägig behandelt. Von Februar bis Juni 1909 verhandelte Pfr. Posset
mit der Gemeinde und dem evang. Pfarrer, um endlich einen Platz für Kirche und
Friedhof zu erwerben, mit dem Ergebnis, daß die kath. Kirchenstiftung der Gemeinde
einen Acker überläßt und an die evang. Kirchenstiftung 3170 Mark bezahlt. Außerdem
ein neues Hirthaus für die veranschlagten 3104 Mark baut. Im Notariatsvertrag
vom 9. Juli 1909 wurde ein Acker (0,034 ha) der kath. Kirchenstiftung an die Gemeinde
vertauscht gegen das Hirthaus mit Stall, Hofraum, Backofen und Garten mit insges.
0,113 ha. Die kath. Kirchenstiftung verpflichtet sich ferner, ein neues Hirt-,
bzw. Armenhaus zu errichten und einen Brunnen graben zu lassen. Zwischenzeitlich
wurden auch Verhandlungen über die Auflösung des Simultaneums
geführt. Die Katholiken wollten 15 000 Mark als Ablösung, die Protestanten dagegen
nur 10 000 Mark bezahlen. Schließlich einigte man sich auf 12 500 Mark. Ferner
wurde beschlossen: alle der kath. Kirchenstiftung allein gehörenden Gegenstände
der Kirche einschließlich der beiden großen Bilder (Auferstehung und letztes Gericht)
dürfen mitgenommen werden. Ebenso der Tabernakel, das Marienbild und der Samtbehang.
Der Altaraufbau muß bleiben. Auch der Simultanstadel beim ehemaligen evang. Schulhaus
bleibt. Die Teilung des Pfarrgartens wegen eines Zugangs zur neuen kath. Kirche
wurde vorgenommen. Vom Geld der Friedhofskasse wird die Friedhofsmauer ausgebessert,
der Rest geteilt. Der Vertrag über die ausgehandelten Bedingungen wurde am 30.05.
1909 von der kath. und am 31. 05. 1909 von der evang. Stiftung unterzeichnet.
Die kath. Kirchenstiftung verpflichtet sich ein Hirthaus zu bauen und mit 10 Dezimel
Grund der Gemeinde zu überlassen. Mit Schreiben vom 12. Juli 1912, also 3
Jahre später, genehmigte seine Königliche Hohheit Prinz Luitpold des Königsreichs
Bayern Verweser, die Auflösung des Simultaneums. Notariell wird der Betrag am
12. September 1912 abgesegnet. Für den Grunderwerb wurden
am 9. Juli 1909 an den evang. Pfarrer 2500 Mark, an Herrn Kraus für einen Teil
seines Gartens 500 Mark und an Herrn Hör für ein Gärtchen 170 Mark bezahlt. Am
17. Juli begann der Bau des neuen Hirthauses und der Aushub des neuen Brunnens.
Damit war der Weg frei für den Neubau der Kirche. Man muß Pfr. Posset bewundern,
wie gradlinig er seine Ideen in bezug auf den Kirchenneubau verfolgte. Schon im
Aug./Sept. 1909 führte er Gespräche zwecks Herstellung der Ziegeln. Die Pläne
für den Kirchenneubau wurden von der Regierung am 18. Dezember 1909 genehmigt,
der Baubeginn jedoch untersagt, da die finanziellen Mittel noch nicht gesichert
waren. Bei der Versammlung im Frühjahr 1910 beschloß man, daß in Zukunft
auch Mitglieder weiblichen Geschlechts anwesend sein dürfen. Wahrscheinlich war
das der Durchbruch. Auch das königliche Bezirksamt Neustadt erteilte am 19. April
1910 die Baugenehmigung nach den Plänen des Herrn Architekten Schott,
München, der Baubeginn jedoch wurde auch hier wegen der Sicherung der Finanzierung
noch nicht erteilt. An Geldern waren vorhanden: Kasse des Kirchenbauvereins:
14 355 Mark Zuschüsse des Ludwig-Missions-Vereins: 12 215 Mark Freiwillige
Staatszuschüsse: 1043 Mark Abfindung der evang. Kirchenstiftung: 12 500 Mark
Den Restbetrag von ca. 30 000 Mark erhoffte man von einer Landeskirchensammlung,
um deren Genehmigung das kath. Pfarramt 1909 nachgesucht hatte. Pfr. Posset ließ
sich nicht entmutigen und übergab am 12. Juni 1910 der Baufirma Kubizek, Weiden,
den Auftrag für die Erd- und Maurerarbeiten, wobei auf den Kostenvoranschlag vom
18. 2. 1907 verwiesen wurde und als Termin für die Fertigstellung des Rohbaus
der 15. August 1911 festgelegt wurde. Die Genehmigung zum Baubeginn kam dann prompt
4 Tage später und die Arbeiten wurden sofort begonnen. Erster Höhepunkt
war die Grundsteinlegung am 24. Juli 1910. Inmitten der bereits
zur Höhe von einigen Metern gediehenen Mauern wurde ein prächtiger Altar errichtet
und Stadtpfarrer Max Söllner, Weiden, hielt die Festpredigt. Leider konnte bis
heute nicht herausgefunden werden, wo und ob überhaupt der Grundstein gelegt wurde.
Eine in Latein geschriebene Urkunde spricht dafür (vielleicht im gemauerten Grundbau
des Hochaltars?). Der Bau schritt rasch voran; nach Aussagen älterer Leute
wurde jeden Tag von früh bis spät gearbeitet. Die Ziegelsteine mit Ochsenfuhrwerken
aus der nahen Ziegelhütte Mallersricht herangeschafft. Ende November 1910 konnte
bereits das Hebmahl für Maurer und Zimmerleute der Firma Bergler in der Gaststätte
Kummert zum Preis von 77,29 Mark gefeiert werden. Zu Weihnachten war der Rohbau
eingedeckt und der Turm bis zur Kuppel hochgezogen. Während der Wintermonate waren
die Arbeiten eingestellt. Nach Ostern 1911 wurde innerhalb 2 Wochen die Kuppel
auf den Turm gesetzt und das Kirchendach neu umgedeckt (vielleicht undicht). Den
Schlossern, Spenglern und Glasern sowie anderen Firmen wurde - wie der Baufirma
- der 15. August 1911 als Termin gesetzt und von diesen auch eingehalten.
Obwohl die Benutzung der alten Kirche nach dem Auflösungsvertrag noch bis 1.11.1912
festgelegt war, konnte der Umzug in die neue - wenn auch fast leere - Kirche am
Sonntag, 8. Oktober 1911, einen Tag vor dem Fest des hl. Dionysius,
des alten und neuen Kirchenpartrons, in großer Festlichkeit begangen werden. Das
Allerheiligste, das Marienbild und die Kreuzwegbilder, die aber nicht mehr aufgehängt
wurden, werden dabei besonders erwähnt. Die Freude der Katholiken, ein eigenes
Gotteshaus zu besitzen, war groß. Superior Max Reger aus Straubing, früher
Pfarrer von Rothenstadt, nahm mit Vollmacht des Ordinariats vom 12. 9. 1911 die
Benediktion der Kirche vor und feierte in einem levitierten Hochamt die erste
hl. Messe in der neuen Kirche. Die Reliquien für die Altäre wurden am 29. 11.
1911 von Weihbischof Joh. B. Hierl in Regensburg geweiht. Dann ging es mit
Riesenschritten an die Inneneinrichtung der Kirche. Mit den Schreinerarbeiten
wurde die Firma Dippel, Pressath, beauftragt. Die Kommunionbank, gestiftet
von den Familien Melchner, Frauenricht, und Kummert, Neunkirchen, werden bereits
Weihnachten 1911 geliefert (780 Mark). Die beiden Beichtstühle (a 400 Mark) folgen
im Februar 1912. Bis Juni 1912 wurden die beiden Seitenältäre aufgestellt; den
rechten Antoniusaltar, jetzt Marienaltar, stiftete Superior Max Reger, Straubing
(1400 Mark). Den linken Seitenaltar, Herz Jesu, die Oberstationseheleute Anna
und Lorenz Gollwitzer, Altenstadt. Am 24. April 1912 beginnt Dippel mit der
Arbeit am Hauptaltar; konnte ihn aber zum abgesprochenen Termin nicht vollenden,
da die Detailzeichnungen des Architekten Schott, trotz vieler Schreiben und Bitten,
nicht eintrafen. Schott war zur gleichen Zeit mit dem Bau der Basilika zu Altötting
stark eingebunden, andererseits vielleicht schon von der Krankheit gezeichnet,
die Ende 1913 zu seinem Tode führte. In der Zwischenzeit lieferte Dippel im
August 1912 die Kanzel, die von der Familie Pschierer, Latsch, gestiftet wurde.
Die Ewig-Licht-Ampel war eine Stiftung der Fam. Göppl, Wiesendorf. In Zusammenarbeit
mit dem Maler und Vergolder Ludwig Greger, Pressath, lieferte Dippel noch im Herbst
1912 - vorerst ohne Korpus - das Missionskreuz an der Außenfassade der Kirche
beim Friedhof (68 Mark) sowie ein Eichenkreuz in der Kirche (35 Mark). Der Christuskörper
am Friedhofkreuz wurde am 10. 2. 1913 wetterfest vergoldet; der Christuskörper
für das Kreuz in der Kirche (90 Mark) und die Schmerzensmutter unter dem Kreuz,
mit Fassung wurden im April 1913 für 250 Mark geliefert. Das Kreuz mit der
Schmerzensmutter befand sich zuerst am linken hinteren Pfeiler im Presbyterium,
wo heute der Ambo steht. Im Rahmen der Kirchenrenovation (nach dem Konzil) und
dem Einbau der Kirchenheizung wurden Kreuz und etliche andere Figuren versetzt,
die Marienfigur kam auf den rechten Seitenaltar. Der Grabchristus, ohne Fassung,
zu 74 Mark liegt im Altaraufbau unter dem Herz-Jesu-Altar und der Auferstehungschristus
konnten im Herbst 1912 fertiggestellt werden. Die alte, in Holz geschnitzte Sebastianstatue
kaufte Pfr. Posset für 60 Mark in einer Werkstatt in Taufkirchen. Der Hochaltar
war Ende Februar 1913 bis auf den Rahmen, wahrscheinlich für das Marienbild und
die beiden oberen Engel, fertig und wurde aufgestellt. Die Maria- und Josefstatue,
165 cm hoch, aus Lindenholz (je 195 Mark), Fassung je 145 Mark, sowie die beiden
Postamente zu je 45 Mark wurden im Januar 1914 am linken vorderen Pfeiler (Maria)
und am rechten Josef) im Presbyterium angebracht. Die Herz-Jesu-Statue wurde mit
dem Hochaltar geliefert, die Statue des hl. Florian am 1.4.1913. Die Kirchenbänke
lieferte die Fa. Kellner, Rothenstadt, am 5.7.1912, die Kirchenstühle Schreinermeister
Meier, Latsch. Der Tabernakel kam im Oktober 1912. Die Beichtstühle wurden am
20.7.1912 geliefert. Zur Erholung aus früheren Krankheiten und wegen der vielen
Arbeit war Pfr. Posset zum Kuraufenthalt im April 1912 in Karlsbad. Ende 1913
starb Architekt Schott, München. Ihm folgte Architekt Wagner. Am 1.2.1914 wird
der Kirchenbauverein als aufgelöst erklärt. Das vorhandene Vermögen, 1945 Mark,
wird zur Tilgung der Kirchenbauschulden der Kirchenstifung übergeben. Am 8.2.1914
benedizierte P. Guardian vom Franziskanerkloster Pfreimd den neuen Kreuzweg. Die
Ölbergfiguren wurden am 11.4.1916 und die Lourdesgrotte am 8. 5.1917 geweiht.
Die Bruder-Konrad-Statue wurde 1935 von K. Bornschlegel, Burglengenfeld, geschaffen
und nach einem Triduum am 3. 11. 1935 durch Pater Irenaus geweiht. Die Herkunft
des Familienbildes im Rokokorahmen sowie die Figuren Peter und Paul bleiben ungeklärt.
Die Größe des Presbyteriums beträgt 103 qm, das Kirchenschiff hat 297,5
qm, insgesamt 400,5 qm. Davon gehen ab: Altäre, Beichtstühle und sonstiges, wie
Taufstein und Kommunionbank 29,7 qm. Bleibt ein Flächenraum von 370,8 qm.
Die Seelenzahl nach dem Kirchenbau betrug (ohne Mantel) ca. 1700; davon waren
ca. 700 Kirchenbesucher zu verzeichnen. BGR Paul Wutz, Neunkirchen, 1998
in Zusammenarbeit mit Dorothea Deubzer
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