1) "Christi Himmelfahrt": "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage
bis zum Ende der Welt". (Mt 28,20)
In den ersten Jahrhunderten wurde Christi Himmelfahrt am Pfingsttag, zusammen
mit der Geistsendung gefeiert: seit etwa 370 n. Chr. am vierzigsten Tag nach Ostern.
An den drei Tagen vor diesem Fest gibt es häufig Bittgänge/Flurumgänge, in denen
sich Menschen in ihren eigenen Nöten und für die der anderen Menschen um Hilfe
an Gott wenden. Sie danken für die Schöpfung, bitten um eine gute Ernte und um
Erfolg in ihrer Arbeit. Die Menschen spüren ihre Abhängigkeit von der Natur und
ihr Ausgeliefertsein an die Technik. Das Singen und Beten auf dem Weg stärkt die
Hoffnung, in Gott geborgen zu sein und vertraut der Zusage des zum Vater zurückkehrenden
Herrn: "Ich bin bei euch alle Tage ...!" In den meisten Gegenden, vor allem in
den ländlichen Gemeinden, wird vom Fest des Hl. Markus am 25. April bis zum Fest
der Kreuzerhöhung am 14. September für das Gedeihen der Feldfrüchte gebetet (Wettersegen).
2)
P f i n g s t e n : "Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird
neu".
Sichtbar durch Feuerzungen, hörbar im Sturm und verstehbar in
allen Sprachen kam der Heilige Geist auf die Jünger herab, so lesen wir in der
Apostelgeschichte. Dies geschah am fünfzigsten Tag, griechisch "pentecosta", von
dem sich das Wort Pfingsten ableitet. Es ist das Gründungsfest der Kirche. Die
junge Gemeinde bricht auf, hinaus in alle Welt, um vom Leben, Sterben und der
Auferstehung Jesu zu erzählen, angetrieben vom Geist Gottes, dem Lebendigmacher.
So steht die Farbe Rot an Pfingsten nicht nur für die Feuerzungen, sondern ist
auch ein Ausdruck der Liebe, der treibenden Kraft.
3) Kirchenfeste und
Bräuche während des Jahres :
Neben den geprägten Zeiten des österlichen
und des weihnachtlichen Festkreises gibt es den Jahreskreis, der die Zeit von
Pfingstmontag bis Ende November umfasst. In diesem dahin fließenden Jahresrhythmus
gibt es besondere Festtage und damit verbundenes Brauchtum, das dem Jahreskreis
Formen und Konturen gibt. Dazu gehört zunächst das Fest der Verehrung der Eucharistie
(Fronleichnam) - siehe nächsten Pfarrbrief - mit der damit verbundenen Fronleichnams-Prozession.
Mit dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn geht die glaubende Gemeinschaft
durch die Straßen und Häuser, um zu zeigen, dass der Herr auch im Alltag segensreich
in den Lebensräumen der Menschen wirken will. In manchen Gegenden wird die besondere
Verehrung des Herzens Jesu auch im Brauchtum sichtbar (Herz-Jesu-Feuer).
Eine
herausragende Gestaltung bekommt der Jahreskreis durch die Verehrung der Gottesmutter.
Der Monat Mai und der Monat Oktober sind Maria gewidmet. In Maiandachten und im
Rosenkranz wird das Geheimnis ihrer Person und ihrer Sendung bedacht. Hineingebettet
zwischen Mai und Oktober ist das Fest Mariä Himmelfahrt.
Das Brauchtum
hat weitere vielfältige Formen gefunden in der Verehrung Johannes des Täufers
(Sommersonnenwende, Johannisfeuer und Brunnenfeste) uvm.
4) Marienmonat
Mai
Das Konzil von Ephesus 431 n. Chr. bekennt Maria als Gottesgebärerin.
Seitdem wird die "Mutter Gottes" in der Kirche als Fürsprecherin angerufen. Marias
gläubiges Vertrauen und ihr Gehorsam auf den Anruf Gottes hin (Lk 1,38) bilden
die Grundlage für die brauchtümliche Marienverehrung. Im Laufe der Zeit sind eine
große Anzahl kirchlicher Marienfeste und marianischer Gedenktage entstanden. Im
18. Jhd. Entwickelte sich in Italien der Brauch, die "Mutter Gottes" im Monat
Mai, wenn in der Natur alles Leben erwacht, in Form der Maiandacht zu verehren.
Die erste Maiandacht in Deutschland fand 1841 im Kloster der Guten Hirtinnen in
München-Haidhausen statt. Diese Frömmigkeitsform verbreitete sich weltweit in
der katholischen Kirche. Die Gläubigen schmücken mit Blumen und Kerzen in Kirchen,
Kapellen, nicht selten in ihren Häusern Marienbilder oder bauen einen Marienaltar
auf. In vielfältiger Weise verehren Menschen die Gottesmutter und zünden vor ihrem
Bild vertrauensvoll Kerzen an. Der Oktober wird neben dem Mai als weiterer Marienmonat
gefeiert. Wir ehren Maria durch das Rosenkranzgebet. Der Rosenkranz ist eine alte
Meditationsform, ein Gebet der Wiederholung. Wer es übt, kommt in Beziehung zum
Leben, Leiden und zur Herrlichkeit Jesu Christi. Dabei ist Maria Lehrmeisterin
der Christusbegegnung. |